tekom - Gesellschaft für technische Kommunikation - Deutschland e.V.
28. September 2026 | Regionalgruppe München

Von Word zum interaktiven Informationsprodukt: Dieter Gust zeigt neue Wege für HTML-Anleitungen

Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am 28. September 2026 an der Veranstaltung der tekom-Regionalgruppe München teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich digitale Technische Dokumentation nutzerfreundlicher gestalten lässt. Dieter Gust zeigte in seinem Vortrag „Mit Word und Vibe Coding – von statischen Publikationen zu interaktiven Informationsprodukten“, wie sich UX-Ideen für Technische Dokumentation entwickeln, prototypisch umsetzen und praktisch erproben lassen.

Ausgangspunkt war weniger eine grundsätzliche Kritik an klassischen Dokumentstrukturen als an deren digitaler Umsetzung. Technische Informationen sind heute zwar häufig online verfügbar, die Nutzung bleibt aber nicht selten hinter den Möglichkeiten digitaler Medien zurück. Links sind schwer zu erkennen, Suchfunktionen fehlen, Navigation und Orientierung sind eingeschränkt oder vorhandene Funktionen werden nicht konsequent für die Anwenderführung genutzt.

Gust machte dabei deutlich, dass dies nicht allein eine Frage der redaktionellen Gestaltung ist. Auch die Möglichkeiten der eingesetzten Redaktions- und Publikationssysteme setzen Grenzen: Was das System nicht unterstützt oder nur aufwendig ermöglicht, findet sich später häufig auch nicht in der veröffentlichten Anleitung wieder.

Anhand verschiedener Beispiele zeigte Gust, wie unterschiedlich digitale Dokumentation bereits heute umgesetzt wird. Dazu gehörten Anwendungen aus dem Umfeld von S1000D, das iFixit-/Dozuki-Konzept und der BMW Driver’s Guide. Sie dienten vor allem als Anschauungsmaterial für die Frage: Welche Funktionen und Formen der Nutzerführung wären für Technische Dokumentation sinnvoll – und wie lassen sich solche Ideen selbst ausprobieren?

Dieters Antwort fiel bewusst pragmatisch aus: mit Microsoft Word. Statt für erste Prototypen sofort auf spezialisierte Entwicklungs- oder Designwerkzeuge zu setzen, nutzt er Word als Ausgangspunkt. Das Programm sei weit verbreitet, biete bereits einen HTML-Export und lasse sich über Makros erweitern. Dass der dabei entstehende HTML-Code zunächst nicht den gewünschten Anforderungen entspricht, ist Teil des Ansatzes: Genau hier kommt Vibe Coding ins Spiel.

Viel Praxis statt Folienschlacht

Der Vortrag lebte vor allem von den Demonstrationen. Dieter Gust zeigte einen großen Teil seines Ansatzes live und machte dadurch nachvollziehbar, wie aus einem Word-Dokument schrittweise eine browserbasierte Anleitung mit modernerer Nutzerführung entstehen kann. KI-gestützte Coding-Werkzeuge helfen dabei, HTML, CSS und JavaScript zu erzeugen beziehungsweise weiterzuentwickeln, ohne dass der Anwender selbst tief in die Programmierung einsteigen muss.

Der von Dieter Gust vorgestellte Prototyping-Ansatz kombiniert Word, Makros und einen separaten HTML-Viewer mit JavaScript. Als technische Grundlage setzt er auf eine One-Pager-HTML-Lösung. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es sich um einen experimentellen Ansatz handelt, den er ausdrücklich zum Austausch und zur Weiterentwicklung zur Verfügung stellt.

Auch Dietrich Juhl brachte sich in den Vortrag ein. Mit seinen Erfahrungen rund um Snipbook ergänzte er die Ausführungen von Dieter Gust und zeigte eine weitere Perspektive darauf, wie technische Informationen stärker nutzerorientiert und digital gedacht werden können. Die Snipbook-Idee war auch Bestandteil der vorgestellten Beispiele. 

Technik ausprobieren statt nur darüber sprechen

Gerade die praktische Herangehensweise kam bei den Teilnehmenden gut an. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele die gezeigten Möglichkeiten als Anregung für eigene Experimente mitnahmen. Der Ansatz senkt die Einstiegshürde: Statt zunächst ein vollständiges Publikationskonzept aufzubauen, kann eine Idee vergleichsweise schnell als Prototyp umgesetzt, getestet und anschließend weiterentwickelt werden.

Dieter Gust stellt den Teilnehmern im Anschluss seine Vortragsfolien und die verwendeten Ressourcen zur Verfügung. Damit bleibt es nicht bei der Demonstration: Wer möchte, kann die gezeigten Ansätze selbst nachvollziehen und weiter erproben. Aufgrund der Dateigröße können die Ressourcen hier nicht zur Verfügung gestellt werden. Bitte eine Anfrage richten an dieter.gust@t-online.de. 

Der Abend machte vor allem eines deutlich: Bei digitaler Technischer Dokumentation reicht es nicht, bestehende Inhalte lediglich in HTML auszugeben. Entscheidend ist, welche Funktionen Anwender tatsächlich vorfinden – ob sie Informationen suchen, navigieren, Zusammenhänge erkennen und schnell zum benötigten Inhalt gelangen können. Genau hier eröffnen Prototyping und Vibe Coding die Möglichkeit, neue Ansätze zunächst praktisch auszuprobieren, bevor daraus größere Lösungen entstehen.

Termin der Veranstaltung
28.09.2026 | 18:00 Uhr
Veranstaltungsort
online
Referent:in
Dieter Gust
Kontakt E-Mail
dieter.gustdontospamme@gowaway.t-online.de