tekom - Gesellschaft für technische Kommunikation - Deutschland e.V.
16. Juli 2019 | Regionalgruppe München

Verständlich schreiben – der (bewährte) Schlüssel für gute Gebrauchsanleitungen

Am 16.07.2019 war die Regionalgruppe München bei der Geschäftsstelle des BDÜ Landesverbands Bayern e. V. zu einem Vortrag von Clemens Rieg über die Entwicklung vereinfachter bzw. verständlicher Sprachen im Englischen eingeladen.

Der Referent beschrieb außerdem die Entwicklung der Verständlichkeitskonzepte auch in der deutschen Sprache.

Clemens Rieg (freiberuflicher Übersetzer und technischer Redakteur im Bereich Maschinen- und Anlagebau) präsentierte anhand von zahlreichen Beispielen, wie sich die „einfache Sprache“ für Betriebs- und Serviceanleitungen bei der Firma Caterpillar/Peoria USA Anfang der 80er Jahre entwickelte.

Ausgangspunkt war, dass Englisch für viele schwer zu erlernen war. Daher wurde schon 1925 eine „kontrollierte Sprache“ entwickelt, die als Welthilfssprache dienen sollte. Dazu waren nur 850 Wörter erlaubt. Die Grammatik bestand nur aus 12 Regeln. Diese kontrollierte Sprache war jedoch „schlecht zu lesen und schwieriger als nötig.“

Diese kontrollierte Sprache war jedoch die Basis für Plain Language, die die US-Regierung in den 1970er Jahren entwickelt hatte und Caterpillar Fundamental English.. Hier war das Ziel eine einfache Übersetzung, da Caterpillar als weltgrößter Baumaschinenhersteller 20000 Unterlagen ind 50 Sprachen übersetzen sollte. Auch diese Sprache schränkte die Anzahl der Begriffe und Regeln ein. Da Clemens Rieg in dieser Zeit bei Caterpillar als Redakteur arbeitete, konnte er als Zeitzeuge genau von der Entwicklung und der Einführung berichten.

AECMA entwickelte Simplified Technical English für die Luftfahrtindustrie. Weitere Varianten entstanden bei Boeing, General Motors, IBM, Kodak und Nortel.

Auch im Französischen wurde versucht, eine vereinfachte Sprache zu entwickeln (Français Rationalisé). Französisch ist schlecht zu vereinfachen und wird nur bei wenigen Unternehmen eingesetzt, z.B. bei Dassault Aerospace.

Herr Rieg schilderte danach, wie auch in der deutschen Sprache geschah und zwar mit der Thema-Rhema-Theorie und dem Hamburger Verständlichkeitsmodell. Anhand dieser beiden Prinzipien wurde auf Gliederung, Einfachheit und Kürze geachtet, damit der Text leserfreundlich werden konnte. Mithilfe von interessanten Beispielen konnten die Teilnehmer nachvollziehen, wie unterschiedlichen Satzbau oder Satzlänge das schnelle oder langsame Verständnis beeinflussen können.

Die Möglichkeit die Handbücher zu blättern, wie die Dokumentation sich tatsächlich im Laufe der Jahre geändert hat, war ein guter Weg, um die Entwicklung mit praktischen Beispielen wahrzunehmen.

 

Auf Wunsch des Referenten erhielten nur die angemeldeten Teilnehmer die Vortragsfolien.

 

 

 

 

Mitgliederbereich

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Termin der Veranstaltung
16.07.2019 | 23:51 Uhr
Veranstaltungsort
Referent
Clemens Rieg, Technical Communication, Seeheim-Jugenheim