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06.07.2018

Auf der Suche nach dem verschwundenen Schloss

Peter Oehmig, Heidelberg

Ein halbes Dutzend Reiselustiger machte sich auf den Weg, um das verschwundene "alte" Schloss zu suchen. Bei idealem Wetter verbrachten wir 4 Stunden in malerischer Umgebung.

Das "verschwundene Schloss" ist die obere Burg, die mal auf dem kleinen Gaisberg stand, dort wo heute das Hotel Molkenkur steht.
Wer unsere Expedition nachvollziehen möchte, benötigt 7 Euro für das Kombiticket Schloss/Bergbahn, etwa 4 Stunden Zeit und Schuhwerk, mit dem man sich auch auf Pflastersteinen wohlfühlt.
Als "Zeitmaschine" nutzen wir Abbildungen aus dem Schlossbuch von Julian Hanschke, die wir auf Posterformat hochvergrößerten. Dieses Buch ist recht "schwere" Literatur (Gewicht 2.740 Gramm), aber ein Muss für alle Schloss-Enthusiasten. ISBN:978-3-00-050927-8, kostet 49,95 Euronen und ermöglicht die reich bebilderte Zeitreise von 1250 bis ins 18. Jahrhundert.

Eine Kostprobe des Buches finden Sie unter

bg.ikb.kit.edu/img/Neuerscheinung_Schloss_Heidelberg.pdf

 

Startpunkt ist die untere Bergbahnstation am Kornmarkt. Wer sein Ticket am Automaten kauft, erspart sich die Warteschlange.
Wir fuhren bis zur oberen Station (Molkenkur).

 

Aussteigen und hoch gehen zum Hotel Molkenkur (etwa 5 Minuten Fußweg). Nicht den Eingang zur Hotelterasse nehmen, sondern "außen rum" laufen bis zum Parkplatz und zum Haupteingang. Auf der rechten Seite des Platzes findet man noch einen Mauerrest der oberen Burg.

 

Die obere Burg wurde wahrscheinlich vom Pfalzgrafen Konrad dem Staufer errichtet. Er war ein Halbbruder Kaiser Barbarossas und verlegte irgendwann zwischen 1156 und 1180 seinen Wohnsitz nach Heidelberg. Konrad gilt als Gründer der Stadt Heidelberg.
1537 schlug der Blitz in die Burg ein und zündete die etwa 200 Tonnen Schwarzpulver, die dort gelagert waren. Die Burg und 13 Menschenleben fielen der Explosion zum Opfer.

Runter geht es wieder mit der Bergbahn. Diesmal stiegen wir an der Station Schloss aus und machten uns auf den zweiten Teil der Zeitreise.
Einen zwischenzeitlichen Platzregen überstanden wir unbeschadet bei Kaffee und Kuchen in der Cafeteria.

 

Warum ist da eigentlich alles so gemischt im Baustil? Nun, begonnen hat man das untere Schloss etwa um das Jahr 1200. Der Ruprechtsbau (erstes Gebäude links nach dem Eingang) war die Südwestecke der ersten Jahre und fußt auf den ältesten Vorgängergebäuden.

Jeder Kurfürst hatte seine eigenen Stilvorstellungen. So wurden Vorgängerbauten manchmal einfach abgerissen und neue Gebäude mit neuen Stilen aufgebaut.
Man hatte ja über 400 Jahre Zeit, bevor das Schloss 1693 zerstört wurde.

Inhaltsbild

Nach 1700 wurde das Schloss zwar wieder notdürftig saniert, doch zogen die Kurfürsten nach Mannheim. Heidelberg war nur noch unter "ferner liefen".
1764 lösten Blitzeinschläge im Gläsernen Saalbau einen Brand aus, der das Schloss weitgehend verwüstete. Es wurde dann nicht mehr aufgebaut, sondern als Steinbruch verwendet. Wenn das Schloss nach seinen Steinen rufen würde, wären die Altstadthäuser teilweise ganz schön löcherig.

Charles de Graimberg haben wir den Erhalt der Ruine zu verdanken. Er setzte sich sehr dafür ein. Als Graveur und Kupferstecher fertigte er sehr viele Schlossansichten an, die er an Touristen verkaufte. Sein Atelier ist in der Nähe der Bergbahnstation Kornmarkt. Ihm zu Ehren ist der Aufgang zum Schloss der Graimbergweg.

Wer noch im Schlossgarten lustwandeln möchte auf den Spuren von Goethe und von Salomon de Caus, sollte noch eine weitere Stunde investieren. Genießen und entschleunigen tun wir ja viel zu selten!