tekom - Gesellschaft für technische Kommunikation - Deutschland e.V.

Der Kompetenzrahmen für Technische Übersetzung

Technische Übersetzung - Technik professionell übersetzt 

In einer globalisierten Welt der offenen Märkte und Handelsabkommen müssen Übersetzungen fehlerfrei und einwandfrei verständlich formuliert, und juristisch sicher sein. Übersetzungen sind kostenintensiv, daher sollten die Prozesse so effizient als möglich gestaltet sein.

Dazu braucht es Know-How von allen Beteiligten: Lernen mit dem tekom-Kompetenzrahmen für die Technische Übersetzung.

Übersetzung und Technische Dokumentation: zwei Seiten einer Medaille

Der Übersetzungsbedarf in der Technischen Kommunikation ist hoch: Durchschnittlich werden 11 unterschiedliche Informationsprodukte erstellt, die wiederum in durchschnittlich 12 verschiedene Sprachen übersetzt werden. Prozentual betrachtet werden derzeit mindestens 45 % der Technischen Kommunikation in mehr als 10 Sprachen übersetzt.

Das ist ein relevanter Kostenfaktor und beinhaltet einen großen administrativen Aufwand. Kein Wunder, dass in schwierigen Zeiten nach Optimierungen für die Lokalisierung gesucht wird.

Die Übersetzung der Technischen Dokumentation ist ein eigenständiger Prozess, mit vielen Beteiligten, Aufgaben und Schnittstellen:

  • Was muss getan werden, bis der Quelltext in der Zielsprache vorliegt?
  • Was muss man wissen und können für die Erstellung einer internationalen Technischen Kommunikation – nicht nur für die eigentliche Übersetzung und Lokalisierung, sondern auch, um den Prozess zu unterstützen, etwa durch moderne Methoden und innovative IT?
  • Welche verschiedenen Rollen gibt es in diesem Prozess?

Die Forderung von Optimierungen führt zu neuen Technologien und Prozessen. Die Komplexität wird möglicherweise noch weiter steigen. Auf jeden Fall wird sich vieles verändern. Neue Aufgaben entstehen, bewährte Rollen verändern sich, die Anforderungen an die Qualifikation der Beteiligten werden steigen.

Die tekom Arbeitsgruppe „Technische Übersetzung“ entwickelt neuen Kompetenzrahmen

Diese Fragen hat sich die vom Vorstand der tekom Ende 2018 berufenen Arbeitsgruppe „Technische Übersetzung“ gestellt. Ziel des Projekts ist, einen Kompetenzrahmen für die Erstellung internationaler Technischer Kommunikation zu definieren. Dabei zeigte sich schnell: Nicht jeder muss alles wissen, verschiedene Personen mit den unterschiedlichsten Aufgaben arbeiten Hand in Hand, z.B. Projektmanager, Terminologen, Übersetzer; Lokalisierer, IT-Administratoren, Mediengestalter etc. Wer in welcher Rolle was wissen und können muss, auch das wird von der Arbeitsgruppe geklärt. Der neue Kompetenzrahmen für die Technische Übersetzung liegt in einer ersten umfangreichen Entwurfsfassung vor.

Für den Entwurf wurden auch bereits existierende Kompetenzrahmen und Anforderungen, etwa aus Normen berücksichtigt:

  • Der tekom-Kompetenzrahmen für Technische Kommunikation
  • Der akademische Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation: TecCOMFrame
  • Petra: der Kompetenzrahmen für literarisches Übersetzen
  • EMT: Curricula für Fachübersetzer des European Master of Translation
  • Normen für den Übersetzungsbereich, wie die ISO 17100

Mehr als nur Kompetenzen - Rollenmodelle für die Technische Übersetzung

Der Kompetenzrahmen beschränkt sich bewusst nicht nur auf die Aufgaben und Kompetenzen von Technischen Übersetzern sondern bezieht weitere Rollen mit ein. Dennoch bietet er gerade für Technische Übersetzer einen Ausblick auf Entwicklungsmöglichkeiten. Mehrere Untersuchungen konnten zeigen, dass Technische Übersetzer andere Kompetenzen als Übersetzer in anderen Bereichen benötigen. Vor allem die technischen Innovationen im Übersetzungsbereich können hohe Anforderungen an Linguisten stellen. So entstehen beim Einsatz der Maschinellen Übersetzung (MT) neue Aufgaben wie MT-Engine-Training und -Optimierung, Post Editing und in der Vorbereitung von Ausgangsinhalten. Die Automatisierung von Prozessen verändert sowohl bewährte Arbeitsweisen, schafft aber auch neue Aufgaben. Terminologie und Kenntnisse der Technischen Kommunikation (e.g. zielgruppengerechtes Schreiben, Lokalisierung) gewinnen an Bedeutung.

Daher wird der Kompetenzrahmen für Übersetzer, die in der Technischen Kommunikation arbeiten von besonderer Relevanz sein. Der Kompetenzrahmen für die Technische Übersetzung soll in Zukunft alle in diesem Bereich tätigen unterstützen, z.B.:

  • Für die Ausarbeitung von spezialisierten Jobprofilen und Rollen
  • Für die gezielte Personalakquise und Formulierung von Stellenausschreibungen
  • Für die Personalentwicklung und den gezielten Kompetenzaufbau bei Mitarbeitern
  • Für die Entwicklung von neuen Bildungsangeboten und Curricula

Auf der tekom-Jahrestagung 2020 werden Hans Pich und Dr. Daniela Straub Ihnen die aktuellen Ergebnisse der Arbeitsgruppe Technische Übersetzung vorstellen, Nutzungsszenarien aufzeigen und gemeinsam mit Ihnen darüber diskutieren.

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