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23.02.2016

Neues aus dem Bereich Beruf und Bildung

Startschuss für den Relaunch des tekom-Zertifizierungssystems

Daniela Straub, Jürgen Sapara

Nach der erfolgreichen Publikation des neuen tekom-Kompetenzrahmens für die Technische Kommunikation im Jahr 2015 stehen nun die nächsten Schritte beim Relaunch des tekom-Zertifizierungssystems an.

Seit dem Start im Jahr 2003 konnten rund 1.500 Technische Redakteure durch die tekom zertifiziert werden. Die tekom hat sich zum Ziel gesetzt, das seit 2003 erfolgreiche tekom-Zertifizierungssystem zu überarbeiten.

Richtungsweisend waren für den Relaunch des tekom-Zertifizierungssystems die Anforderungen der internationalen Norm für Personenzertifizierungen, der DIN EN ISO/IEC 17024:2012. Mit einer Akkreditierung des tekom-Zertifizierungssystems nach dieser Norm erhält ein durch die tekom zertifizierter Technischer Redakteur einen national, europaweit und darüber hinaus anerkannten Nachweis über das hohe Niveau und die Aktualität seines Fachwissens. Damit können auch tekom-Europe-Mitglieder das tekom-Zertifikat erwerben. Zudem soll das Zertifikat zukünftig über Deutschland hinaus auch international erwerbbar sein, damit der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern in der Technischen Kommunikation für ausländische Firmen oder für Niederlassungen deutscher Firmen besser gedeckt werden kann.

Die Internationalisierung bringt noch weitere Herausforderungen an das tekom- Zertifizierungssystem mit sich: Allein in Europa sind die Möglichkeiten für eine Weiterbildung und Qualifizierung im Bereich Technische Kommunikation in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Zudem bringen im Bereich Technischer Kommunikation Beschäftigte oder Einsteiger in den Beruf des Technischen Redakteurs unterschiedliche Voraussetzungen an Wissen und Können mit und haben unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen. Hierzu musste das neue tekom-Zertifizierungssystem eine Lösung liefern, damit zukünftig auch tekom-Zertifizierungen mit hohem Niveau für Technische Redakteure im europäischen und internationalen Ausland angeboten werden können.

Darüber hinaus stellt der Arbeitsmarkt immer höhere Anforderungen an die Qualifikation und Kompetenzen von Mitarbeitern in der Technischen Kommunikation: Die Erarbeitung des neuen tekom-Kompetenzrahmens hat gezeigt, dass der Beruf des Technischen Redakteurs, sowohl was die Breite des notwendigen Wissens als auch was die Tiefe angeht, sehr anspruchsvoll (geworden) ist und immer mehr Vertiefungs- und Spezialisierungsrichtungen bietet.

Änderungen im Zertifizierungssystem

Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Anpassungen an dem bewährten tekom-Zertifizierungssystem vorgenommen. Gleichgeblieben sind zunächst die drei Schritte zur tekom-Zertifizierung:

  1. Ermittlung des Weiterbildungsbedarfs, etwa durch eine Qualifizierungsberatung
  2. Weiterbildung und Qualifizierung
  3. Zertifizierungsprüfung

Neu ist beim tekom-Zertifizierungssystem:

  1. Das tekom-Zertifizierungssystem ist auch im europäischen und internationalen Umfeld verfügbar, was bedeutet, dass sowohl eine Qualifizierungsberatung als auch die Zertifizierungsprüfung in englischer Sprache angeboten werden. Zukünftig wird es verstärkt Online-Prüfungen geben.
  2. Die tekom-Qualifizierungsberatung wird für alle Interessenten im Ausland verfügbar sein.
  3. Der neue tekom-Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation wird die inhaltliche Grundlage für die Qualifizierungsberatung, die Weiterbildung und Qualifizierung von Technischen Redakteuren sowie für die Zertifizierungsprüfung. Wie bisher sind für die Qualifizierung nach dem neuen tekom-Kompetenzrahmen verschiedene Pflicht- und Wahlbereiche definiert.
  4. Verschiedene Zugangsvoraussetzungen zum tekom-Zertifikat bieten für jede Einstiegs- und Zugangsvoraussetzung einen idealen Weg der Weiterbildung, Qualifizierung und Zertifizierung.
  5. Es wird zukünftig zwei Zertifizierungslevels geben, um den verschiedenen Bedarfen gerecht zu werden:
    a. Der Junior Level ist ein schneller, erster, niederschwelliger Einstieg in die Technische Kommunikation, mit dem ein Zertifikat zum Nachweis von grundlegendem Wissen erworben werden kann. Er ist für Quereinsteiger in der Technischen Kommunikation ohne oder nur mit geringer Berufserfahrung und für Beschäftigte in verwandten Bereichen, z.B. Technik, Linguistik, Medien, Kommunikation ideal. Auch für Beschäftigte im Übersetzungsbereich, die sich Grundwissen in Technischer Kommunikation für ihre Tätigkeit aneignen wollen, ist der Junior Level ideal. Das Qualifizierungsziel ist die Vermittlung eines breiten Spektrums an Theorie- und Faktenwissen sowie praktischer Fertigkeiten, um Verantwortung für die Erledigung von Arbeitsaufgaben zu übernehmen und bei der Lösung von Problemen das eigene Verhalten an die jeweiligen Umstände anzupassen.
    b. Der Senior Level hingegen ist von Lernumfang und Tiefe deutlich aufwändiger und inhaltlich anspruchsvoller. Er eignet sich insbesondere für Beschäftigte in der Technischen Kommunikation mit mehreren Jahren Berufserfahrung, Führungskräfte und Projektmanager sowie Selbstständige. Auch Teilnehmer von tekom-akkreditierten Bildungsmaßnahmen können sich auf dem Senior Level zertifizieren lassen. Geprüft werden auf dem Senior Level umfassendes, spezialisiertes Theorie- und Faktenwissen sowie umfassende kognitive und praktische Fertigkeiten, die erforderlich sind, um kreative Lösungen für abstrakte Probleme zu erarbeiten. Das Kompetenzziel ist die selbstständige und eigenverantwortliche Tätigkeit im Bereich Technische Kommunikation sowie die Fähigkeit zur Beaufsichtigung der Routinearbeit anderer Personen, wobei eine gewisse Verantwortung für die Bewertung und Verbesserung der Arbeitsaufgaben übernommen werden kann.
  6. Eine Rezertifizierung alle fünf Jahre wird explizit von der Norm DIN EN ISO/IEC 17024:2012 gefordert und bestätigt den Erhalt des aktuellen Fachwissens. Dazu muss keine neue Zertifizierungsprüfung abgelegt werden, sondern lediglich Berufstätigkeit und der Besuch von Weiterbildungsveranstaltungen nachgewiesen werden, z.B. fachbezogene Workshops bei Regionalgruppenveranstaltungen, Fachtagungen oder Seminare oder unternehmensinterne Weiterbildungsveranstaltungen oder Weiterbildungen bei Weiterbildungsträgern.
  7. Die Prüfungsprozesse müssen nach Norm DIN EN ISO/IEC 17024:2012 die Forderung nach Nachweisbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit der Bewertungen erfüllen. Deshalb muss ein Teil der Zertifizierungsprüfungen zukünftig schriftlich durchgeführt werden. Dies ist die einzige Änderungen, die sich auch auf das bisherige Zertifizierungssystem auswirkt: Ab 1.9.2016 werden die Pflichtmodule schriftlich geprüft, Wahlbereiche und das Fachgespräch werden wie bisher mündlich geprüft.

Da sich alle am tekom-Zertifizierungssystem Beteiligten umstellen müssen, läuft die Übergangsfrist vom bisherigen Zertifizierungssystem auf das neue Zertifizierungssystem bis zum 31.12.2017. Dies bedeutet, dass bis zum 31.12.2017 beide Zertifizierungssysteme parallel laufen. Allerdings erfolgt die Umstellung auf die schriftliche Prüfung der Pflichtmodule noch für das bisherige Zertifizierungssystem und ist nach der Prüfungsordnung V5 für alle Prüfungen und alle Zulassungen zur Prüfung ab 1.9.2016 gültig.

Der Zeitablauf des Relaunchs im Überblick

  • Ab 1.4.2016: Qualifizierungsberatung ist nach dem neuen Kompetenzrahmen möglich, parallel werden Beratungen nach den bisherigen Qualifizierungsbausteinen angeboten.
  • Ab 1.9.2016: Umstellung Prüfungsprozess auf schriftlichen Prüfungsanteil, auch für Prüfungen nach dem bisherigen Zertifizierungssystem: Es gilt hierfür die Prüfungsordnung in der Version V5, verbindlich für alle Prüfungen und alle Zulassungen zur Prüfung ab 1.9.2016.
  • Ab 1.1.2017: Zertifizierungsprüfung nach dem neuen Kompetenzrahmen möglich, parallel werden bis 31.12.2017 Zertifizierungsprüfungen nach dem bisherigen Zertifizierungssystem und den Qualifizierungsbausteinen angeboten.
  • Ab 1.1.2018 ist nur noch das neue Zertifizierungssystem gültig.

Weitere Informationen und Dokumentationen

Zum neuen tekom-Zertifizierungssystem gibt es weitere Informationen und Dokumentationen für alle Beteiligten:

  • Die tekom-Zertifizierungsrichtlinie wird für das neue Zertifizierungssystem die Prüfungsordnung ersetzen.
  • Der tekom-Kompetenzrahmen wird die bisherigen Qualifizierungsbausteine ersetzen.
  • In der lehr- und prüfungsorientierten Ansicht der Kompetenzanforderungen des tekom-Kompetenzrahmens finden vor allem Zertifizierungsteilnehmer und Weiterbildungsinstitute die neue Struktur von Pflicht- und Wahlbausteinen, mit Lerninhalten, Lehrperspektiven und Lernzielen dargestellt.
  • In den überarbeiteten FAQs zur Zertifizierung sind sowohl das bisherige Zertifizierungssystem als auch die neuen Richtlinien erläutert.

Diese Dokumente stehen im tekom-WebPortal im Downloadbereich der Rubrik Beruf & Bildung zur Verfügung.

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