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22.05.2015

Fachausschuss des Beirats für Aus- und Weiterbildung

Kompetenzrahmen für das Berufsbild des Technischen Redakteurs entwickelt

Daniela Straub

Bereits im Jahr 2003 hatte die tekom in Pionierarbeit begonnen, mit den tekom-Qualifizierungsbausteinen Kompetenzbereiche und Qualifizierungsanforderungen für Technische Redakteure zu beschreiben. Nach mehreren Überarbeitungen der tekom-Qualifizierungsbausteine war es an der Zeit, die Definition der Kompetenzanforderungen für den Bereich der Technischen Kommunikation neu aufzustellen.

Die tekom-Qualifizierungsbausteine definierten seither umfassend die Kompetenzanforderungen des Berufsbildes des Technischen Redakteurs. Inzwischen hat sich das Berufsbild stark gewandelt, nicht zuletzt aufgrund geänderter Prozesse und Strukturen, neuer Technologien und einer größeren Medienvielfalt.

Der Vorstand der tekom hat zusammen mit dem Beirat für Aus- und Weiterbildung einen Fachausschuss unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Annette Verhein ins Leben gerufen mit dem Auftrag, einen neuen Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation zu entwickeln.

Aufgaben des Fachausschusses

Der Fachausschuss hat seine Arbeit bereits Ende 2013 aufgenommen. Meine Aufgabe war dabei, das Projekt methodisch zu steuern und den Prozess zu moderieren. Da die Projektarbeit unter der Prämisse erfolgt, einen praxis- und handlungsbezogenen Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation zu entwickeln, wurden vorwiegend Vertreter aus verschiedenen Industrieunternehmen in den Fachausschuss berufen. Grundlage der Arbeit des Fachausschusses ist der im Rahmen eines Open House entwickelte Referenzprozess für die Technische Kommunikation. Er beschreibt generisch den Erstellungsprozess für Informationsprodukte anhand von Prozessphasen und Arbeitsaufgaben.

Die Entwicklung des Kompetenzrahmens basierte auf einem handlungsorientierten Kompetenzverständnis. Danach zeigt sich Kompetenz in der Fähigkeit zur erfolgreichen Erfüllung von Aufgaben. Die Grundidee ist dabei, dass mit jeder Aufgabenstellung in der Technischen Kommunikation bestimmte Anforderungen an Wissen und Fähigkeiten einhergehen, um die Aufgabenstellung erfolgreich ausführen zu können.

Was wurde bisher erreicht?

Im ersten Schritt wurden in einer umfangreichen Umfrage der tekom im Jahr 2013 Mitglieder und Interessenten gefragt, welches Wissen und welche Fähigkeiten für bestimmte Aufgaben notwendig sind. Der Rücklauf war überwältigend gut, was ein hohes Interesse an dem Thema signalisiert. Über 500 Beschäftigte in der Technischen Kommunikation füllten den sehr aufwändigen Fragebogen aus und lieferten insgesamt ca. 4750 Hinweise und Inhalte zum Thema – ein unglaublich hoher Rücklauf bei dieser Befragung und tolles Feedback von tekom-Mitgliedern und Interessenten.

Die Expertendefinitionen aus den bisherigen Qualifizierungsbausteinen zusammen mit dem praxisorientierten Input aus der Umfrage bildeten die Basis für die Arbeit der 9 Experten des Fachausschusses. Die Herausforderung war, die mehreren tausend in den vorliegenden Excel-Tabellen erfassten Aspekte zu bearbeiten. Hierzu gehörte:

  • Strukturieren und Kategorisieren,
  • relevante Kompetenzfelder und Lernblöcke definieren,
  • Lerninhalte auswählen und umformulieren,
  • Lerninhalte den Prozessphasen zuordnen.

Über ein Jahr lang kam der Fachausschuss dazu in etlichen mehrtägigen Arbeitstreffen zusammen und widmete sich mit viel Spaß, sehr effektiv und mit hoher Effizienz seiner umfangreichen Aufgabe. Die Entwürfe des Kompetenzrahmens wurden in der Zwischenzeit einem Review durch externe Experten unterzogen.

Das Feedback fiel sehr positiv aus. Einer unserer externen Reviewer meinte: "Ich finde die Struktur mit ihren Inhalten schon sehr, sehr reif und mächtig und damit wertvoll", ein anderer sagte dazu: "Prinzipiell finde ich das Modell schon sehr ausgereift und sehr gut durchdacht! Ich kann mich nicht erinnern, in anderen Verbänden wie STC oder ISTC auch nur annähernd Ähnliches gesehen zu haben." Lob und Feedback, über das sich alle Mitglieder des Fachausschusses sehr gefreut haben, weil es zeigt, dass sich ihr intensives ehrenamtliches Engagement lohnt.

Nächste Schritte

Das gebündelte Wissen der Experten der Qualifizierungsbausteine, der befragten Praktiker und der Experten des Fachausschusses wird mit dem nun erarbeiteten, neuen Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation Ende September verfügbar sein.

Ausgehend von den 7 Prozessphasen zur Erstellung von Informationsprodukten sind verschiedene Kompetenzfelder, dazugehörige Themenblöcke und Inhalte in 4 hierarchischen Ebenen definiert. Für die einzelnen Kompetenzen sind sowohl Inhalte als auch das dazu notwendige Wissen und die Fähigkeiten beschrieben.

Der Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation soll der zukünftige Standard für Qualifizierungs- und Kompetenzanforderungen sein. Er wird ab 2016 mit einer Übergangsfrist bis 2017 die Grundlage für das tekom-Zertifizierungssystem sein.

Der Kompetenzrahmen wird allen Interessensgruppen öffentlich und kostenfrei zur Verfügung stehen. Die Idee ist, das neue Kompetenzmodell als Online-Datenbank zur Verfügung zu stellen. Diese Darstellungsweise bietet die Möglichkeit, einzelne Kompetenzfelder oder Themenblöcke bzw. Inhalte zu selektieren und individuelle Profile daraus zu erstellen. Diese Profile können dann beispielsweise für konkrete Aufgabenbeschreibungen oder für Weiterbildungsempfehlungen genutzt werden.

Der Kompetenzrahmen unterstützt in Zukunft Weiterbildungsinteressierte darin, sich eigenständig individuelle Weiterbildungsinhalte zusammenzustellen, und dient Weiterbildungsanbietern in der Technischen Kommunikation als Basis für zukünftige Curricula. Unternehmen und Arbeitgeber können auf dieser Grundlage Qualifikationsanforderungen für Mitarbeiter und Stellenprofile zusammenstellen. Insgesamt bietet er einen umfassenden Überblick über notwendige Kompetenzen, Wissen, Fähigkeiten und Qualifikationsanforderungen im Berufsfeld der Technischen Kommunikation.

Die Arbeit des Fachausschusses ist damit jedoch noch nicht beendet. Dieses freut mich persönlich, da ich mit dieser Expertengruppe weiter daran arbeiten kann, das tekom-Zertifizierungssystem und die Struktur der Aus- und Weiterbildung in der Technischen Kommunikation erfolgreich voranzubringen.

Die nächste Herausforderung wird darin bestehen, für spezialisierte Aufgabenbereiche – wie das Management der Erstellung von Technischer Dokumentation – eigene Kompetenzmodelle zu entwickeln.

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