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13.05.2015

tekom in internationalem Projekt aktiv

Definition von Kompetenzen des Technischen Redakteurs auf europäischer Ebene

Daniela Straub

Die Europäische Kommission entwickelt seit 2010 im Rahmen eines groß angelegten Projekts auf europäischer Ebene eine mehrsprachige Klassifikation der Berufe. ESCO steht für European Skills, Competencies and Qualifications. Im Rahmen dieser Initiative hat die tekom dazu beigetragen, dass der Beruf des Technischen Redakteurs in die neue europäische Berufstaxonomie explizit aufgenommen wurde.

Seit 2013 engagiert sich die tekom für das Projekt ESCO, das für eine europaweite Klassifizierung von Fähigkeiten, Kompetenzen sowie Qualifikationen und Berufen steht. Das Projekt ist Teil der "Europa 2020 Strategie" mit dem Ziel, die Arbeitsmarktchancen und die Mobilität von Beschäftigten in Europa zu verbessern. Hierzu werden neue Instrumente und Dienstleistungen zur Verbesserung der Effizienz des Europasses entwickelt, zu dem der europäische Lebenslauf mit der Darstellung erworbener Qualifikationen und Kompetenzen gehört, sowie des Europäischen Portals zur beruflichen Mobilität EURES.

Das Projekt ESCO trägt durch das Identifizieren und Kategorisieren von Berufen, Fähigkeiten, Kompetenzen sowie Qualifikationen zur "Europa 2020 Strategie" bei. Das Ergebnis ist eine mehrsprachige Datenbank, welche die Taxonomie aller Berufe sowie Fähigkeiten, Kompetenzen und Qualifikationen aus den verschiedenen Branchen beinhaltet. Nach Abschluss der Entwicklungsphase wird ESCO die erste Klassifizierung ihrer Art sein, die unter Verwendung einer einheitlichen Terminologie in allen EU-Sprachen zur Verfügung steht. Sämtliche Institutionen des Arbeitsmarktes und Bildungssektors werden auf ESCO zugreifen und ESCO im Rahmen ihrer jeweiligen Systeme nutzen können.

Erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb der "ESCO ICT Reference Group"

Als Referentin für den Bereich Aus- und Weiterbildung und Zertifizierung bei der tekom habe ich gemeinsam mit Dr. Michael Fritz, dem Geschäftsführer der tekom, an diesem internationalen Projekt mitgearbeitet. Zusammen mit anderen Experten aus verschiedenen europäischen Ländern, vorrangig Hochschulprofessoren oder Unternehmensinhabern, waren wir über zwei Jahre in der ESCO ICT Reference Group tätig. Die Klärung der methodischen Vorgehensweise zur Taxonomiebildung war hierbei besonders spannend.

Mit unserem Fokus auf die Technische Kommunikation definierten wir für die Taxonomie die Berufsbilder des "Technical Communicators" und des "Technical Documentation Managers" in der Berufskategorie "Documentation" bzw. "Management". Für die Berufsbilder wurden jeweils rund 40 notwendige oder optionale Wissensbereiche und Skills definiert sowie Beschreibungen dazu erstellt.


Die Arbeit der ESCO ICT Reference Group wurde offiziell im April 2015 erfolgreich beendet. Dank der Arbeit dieser Reference Group ist der Beruf des "Technischen Redakteurs" im Rahmen einer internationalen mehrsprachigen Klassifizierung nun präzise beschrieben und die beruflichen Anforderungen einzeln aufgeführt.

Höherer Bekanntheitsgrad des Berufs "Technischer Redakteur"

Die Ergebnisse von ESCO gehen verschiedene Probleme an: Ein mitunter noch verbreitetes Problem von Berufen in der Technischen Kommunikation ist der geringe Bekanntheitsgrad der Berufsbilder. Dies ist zum Teil auf eine fehlende gemeinsame internationale Berufsbeschreibung und Definition der erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen zurückzuführen. Weiterhin trägt dazu bei, dass innerhalb anderer internationaler Klassifikationen, wie NACE und ISCO, der Beruf in andere Berufsklassen untergeordnet und nicht explizit aufgeführt ist.

Arbeitsagenturen sowie Arbeitgeber und Arbeitssuchende sind mit dem Berufsbild und dessen Anforderungen oft nicht ausreichend vertraut. Zudem verwenden nationale Online-Job-Portale gewöhnlich ein eigenes Klassifizierungssystem und eine einzige Sprache. Das Fehlen einer gemeinsamen Sprache sowie eines gemeinsamen Verständnisses für den Beruf des Technischen Redakteurs erschwert darüber hinaus den Austausch von Daten und Informationen, insbesondere zwischen verschiedenen Ländern.

Das Klassifizierungssystem von ESCO wird zukünftig in Relation zu den nationalen, aber auch in Verbindung zu weiteren international verfügbaren Berufsklassifikationen gebracht werden. Gemäß des Subsidiaritätsprinzips wird erwartet, dass EU-Länder mit eigener Berufsklassifikation diese in Beziehung zur ESCO Berufstaxonomie bringen. EU-Länder, die bisher keine eigenen Berufsklassifikationen haben, steht die ESCO Klassifikation zur Suche und Vermittlung von Arbeitskräften sowie Arbeitssuchenden frei zur Verfügung.

Für das Berufsfeld Technische Kommunikation steht damit erstmals allen Ländern eine Definition der Berufsbilder "Technischer Redakteur" und "Manager Technische Dokumentation" in ihrer eigenen Landessprache zur Verfügung, inklusive einer dezidierten Beschreibung von Kompetenzanforderungen, notwendigem Wissen und Fähigkeiten.

Das Ergebnis von ESCO wird dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad des Berufs und dessen Anforderungen europaweit zu erhöhen. Gerade im Hinblick auf die Aktivitäten von tekom Europe ist dies ein weiterer Meilenstein für die Professionalisierung des Berufs und die Förderung des Berufsbildes. 

Die Taxonomie des ICT-Sektors wird voraussichtlich im Frühjahr 2016 auf dem ESCO-Portal veröffentlicht. Mehr Informationen zu ESCO gibt es auf https://ec.europa.eu/esco/home.

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