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Intelligente Information

Ausgangslage

Zur Zeit wird sehr viel über die Digitalisierung aller Lebensbereiche gesprochen. Es existieren etliche von den Medien und interessierten Kreisen "gehypte" Pionierprojekte wie Smart Services, Smart Mobility, Smart Home, e-Health, Sharing Economy, Smart Factory und cyberphysische Systeme (Industrie 4.0), Internet der Dinge etc. Von einer flächenhaften Durchdringung und, vor allem, einer Einbindung aller Personenkreise kann aber noch nicht die Rede sein. Ethische, soziale, arbeitsrechtliche, Copyright- und Datensicherheitsprobleme sind noch nicht gelöst. Ganze Berufs- und Bevölkerungsgruppen sind weiterhin stark in der analogen Welt verwurzelt. Und auch die technische Grundlegung neuer Produktionsformen ist noch nicht so recht vorangekommen – siehe die Industrie-4.0-Initiative der deutschen Verbände, die inzwischen von der Bundesregierung "adoptiert" wurde.

In den kommenden Jahren wird es notwendig sein, wenn sich der Hype-Nebel gelichtet hat, das umzusetzen, was sozial verträglich, wirtschaftlich sinnvoll und technisch machbar ist.

"Smarte" Information

In den bisher vorherrschenden Diskursen über die Digitalisierung wird die Frage vernachlässigt, wie sich die Bereitstellung von Informationen für die Nutzer von physischen Produkten, Software oder Dienstleistungen zukünftig gestalten soll.

Fachinterne Diskussionen in der Technischen Kommunikation drehen sich seit Jahren um die strukturierte Erstellung und dynamische Publikation von Nutzerinformationen, aber eher unter dem Gesichtspunkt der Prozesseffizienz. Viele Firmen nutzen laut Umfragen der tekom zwar Component-Content-Management-Systeme (CCMS) als Redaktionssystem, haben sich aber bisher hauptsächlich auf die effiziente Erstellung einschließlich der Übersetzung von Nutzerinformationen fokussiert. Die Nutzungsseite blieb weitgehend unterbelichtet. Dies wurde besonders durch die eruptive Verbreitung mobiler Geräte deutlich: "Mobile Dokumentation" wurde von vielen Firmen zwar angegangen, aber konzeptionell und technisch noch nicht zufriedenstellend integriert.

Verbesserungen im Hinblick auf Smarte Produkte und Services müssen auf eine dynamische Bereitstellung individualisierter, kontextsensitiver Nutzerinformationen abzielen, die die Nutzerinformation in die digitale Wertschöpfungskette integrieren und die "User Experience" für die Anwender steigern.

Die Erstellung muss stärker auf Zielgruppen- und Nutzungsanalysen ("Use Cases") basieren. Der Einsatz verschiedener Bereitstellungsmedien wie

  • Papier (klassische Handbücher),
  • On-Screen (im Gerät eingebettete Information),
  • Online (über das Web zugängliche oder herunterladbare Informationen),
  • Mobil (über "Smart Devices" wie Telefone oder Tablets nutzbar) oder
  • Augmented Reality (über Datenbrillen oder mobile Geräte visualisiert)

wird aus den relevanten Use Cases abgeleitet.

Die Erstellung "smarter" Informationsprodukte erfordert die Definition, Eingabe und Verwaltung von Metadaten. Mit ihrer Hilfe kann der dynamische Zugriff auf Informationsmodule (Topics) für die verschiedenen Bereitstellungsmedien gesteuert werden.

Papierform versus elektronische Bereitstellung

Generell ist der Bereitstellung von produktbezogenen Informationen in digitaler Form der Vorzug zu geben. Hierfür sprechen folgende Vorteile:

  • eindeutige Zuordnung zum Produkt
  • auffindbar
  • verfügbar
  • individualisierbar
  • Modularisierung
  • recherchierbar
  • aktualisierbar

Dies bietet den Nutzern eine wesentlich höhere Nutzbarkeit der Information und zusätzliche Mehrwerte. Die eindeutig bessere "User Experience" wird dazu beitragen, dass die Nutzer im privaten und im geschäftlichen Bereich die neuen Möglichkeiten schätzen lernen.

Die Papierform ist für Konzepte wie Industrie 4.0 nicht mehr tauglich. Sie ist als Use Case zu betrachten. Papierform ist dann immer erforderlich, wenn

  • die Nutzer es wünschen (insbesondere Verbraucher, die Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Heimwerkergeräte etc. in Betrieb nehmen und nutzen wollen),
  • die Kunden es verlangen (insbesondere Industriekunden, die die Informationen in schwierigen Nutzungsumgebungen wie z.B. Baustellen einsetzen)
  • sowie wenn rechtliche Anforderungen bezüglich der Verfügbarkeit von Nutzerinformationen, besonders mit Hinblick auf die Produktsicherheit, bestehen.

Die "Initiative Intelligente Information – in3" der tekom

Mit dieser Initiative will der europäische Fachverband für Technische Kommunikation seine Mitglieder motivieren, sich den eruptiven Veränderungen zu stellen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Wichtige Ziele sind dabei,

  • den Einsatz strukturierter Erstellungsmethoden und die Nutzung von CCMS einschließlich von Metadaten voranzubringen,
  • anerkannte technische Standards für die Inhaltestruktur sowie für den Austausch, die Verbindung und die Integration von Inhalten zu verwenden,
  • Zielgruppenanalysen, Nutzungsanalysen sowie die Erstellung von Use Cases und Medienkonzepten in ihren Prozess zu integrieren,
  • zukünftig den Fokus auf eine umfassende "User Experience – UX" zu legen und bei den Nutzern Begeisterung für die Informationsprodukte zu erzeugen.

Um ihre Mitglieder bei der Umsetzung dieser Ziele zu unterstützen, plant die tekom, das Thema in3 in den Jahren 2016 bis 2017 zu einem Schwerpunkt ihrer Aktivitäten zu machen, insbesondere:

  • bei Veranstaltungen (Schwerpunkt in den Jahrestagungen, Themenfokus der Frühjahrstagungen, Thema von Roadshows und kleineren Konferenzen)
  • in Publikationen (Zeitschriften, Buchpublikationen)
  • bei der Mitwirkung in der internationalen Normung
  • bei der Ausarbeitung technischer Standards für die Speicherung und den Austausch von Inhalten
  • in der Überarbeitung des tekom-Kompetenzmodells für die Aus- und Weiterbildung Technischer Redakteure
  • in der Arbeitsgruppe "eDok" der tekom Deutschland (Leitlinie zur Eingrenzung von Dokumentation in Papierform)
  • in der Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit