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14.07.2016

Übersetzungsdienstleistungen professionell managen

Wie die Technische Kommunikation von der DIN EN ISO 17100 profitieren kann

Christopher Kurz und Jörg Michael

Im Mai 2016 erschien die Norm DIN EN ISO 17100 – "Übersetzungsdienstleistungen – Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen". Sie ist die Nachfolgenorm der DIN EN 15038, die von 2006 bis 2016 gültig war. Christopher Kurz zeigt, wie die Technische Kommunikation von der neuen Norm profitieren kann.

Die DIN EN ISO 17100 stellt grundlegende Anforderungen und Prozesse dar, die für das Erbringen qualitativ hochwertiger Übersetzungsdienstleistungen erforderlich sind (in Anlehnung an die DIN EN ISO 9000:2005-12 soll hier 'Qualität' verstanden werden als das Erfüllen der vereinbarten Kundenspezifikationen).

Die neue Norm bietet nicht nur einen Mehrwert für Übersetzungsdienstleister, sondern auch für die Technische Kommunikation: Betrachtet man die Wertschöpfungskette eines Produkts, so wird offensichtlich, dass die Übersetzung stets der Produktdokumentation folgt und als Mittel dient, um Informationen von der Ausgangskultur und -sprache in die Zielkultur und -sprache zu transportieren. Die Übersetzung von produktbegleitenden Benutzerinformationen steht also niemals isoliert da, losgelöst von allen anderen Texten und  Unternehmensprozessen, sondern sie muss als "textinduzierter Text" betrachtet werden, der in einen Gesamtrahmen von Unternehmenskommunikation, in zahlreiche Prozesse und Folgeprozesse eingegliedert ist.

Für die Technische Kommunikation bedeutet dies: Ohne Ausgangstext kein Zieltext, oder auch: Ohne ausgangssprachliche Betriebsanleitung keine zielsprachliche Betriebsanleitung, ohne zielsprachliche Betriebsanleitung kein Export der Maschine in das Zielland.

Besonders unter diesem Gesichtspunkt müssen Technische Dokumentation und Übersetzung als gleichberechtigte Schwestern betrachtet werden. So kann die Technische Dokumentation Anreize aus den prozessualen Vorgaben der DIN EN ISO 17100 ziehen, beispielsweise bei Themen wie

  • Kundenterminologie und deren konsistente Einhaltung in der Übersetzung
  • Kompetenzen und Qualifikationen von Übersetzern, Revisoren und fachlichen Prüfern
  • Leitung von Übersetzungsprojekten und Kompetenzen von Projektmanagern
  • Vier-Augen-Prinzip und Feedbackschleifen

Letztendlich hängt die Qualität der Übersetzung zwar nicht vollständig, aber doch zum großen Teil von der Qualität des Ausgangstextes ab, d.h. von der Technischen Dokumentation. Zwar bietet die Humanübersetzung – anders als die Maschinelle Übersetzung – den Vorteil der "Auto-Korrektur" durch den Humanübersetzer bei defektbehafteten ("krummen") Ausgangstexten, aber je verständlicher und (terminologisch) einheitlicher ein Ausgangstext verfasst ist, desto besser wird in der Regel auch die Übersetzung durch den Humanübersetzer sein. Hinzu kommt der effektivere und effizientere Einsatz von Translation-Memory-Systemen.

Genau aus dieser Interdependenz zwischen Technischer Dokumentation und Übersetzung zeigt sich: Der Blick über den Tellerrand hinaus auf die DIN EN ISO 17100 lohnt sich auch für Technische Redakteure.

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Vorankündigung: Von Dr. Christopher Kurz erscheint Mitte August als Opens internal link in current windowtekom-Hochschulschrift 24 die Dissertation "Translatorisches Qualitätsmanagement". Der Autor entwickelt darin einen neuen, ganzheitlichen Ansatz zum Management von Übersetzungsdienstleistungen und Übersetzungsqualität (Translatorisches Qualitätsmanagement). Mit diesem Ansatz analysiert er im Detail die beiden Übersetzungsdienstleistungsnormen DIN EN 15038 und DIN EN ISO 17100 unter prozessualen und übersetzungspraktischen Gesichtspunkten.