Gerüstet für den chinesischen Markt

Terry Shidner

Seit Deng Xiaoping in den späten 1970igern die Zügel der Macht ergriff, hat sich kein Land so schnell - oder so weit reichend - modernisiert wie China. Während des letzten Vierteljahrhunderts hat sich China von einer kollektiven Agrargesellschaft in einen Koloss aus Kapitalismus, Investition und hochtechnologischer Industrie verwandelt. Dieser Aufstieg von einer überwiegend landwirtschaftlichen Wirtschaft zu einer, die 200 Städte mit jeweils mindestens einer Million Einwohnern vorweist, ist erstaunlich und beispiellos in der Geschichte der modernen Zivilisation. Gestärkt durch die Wiedervereinigung von Hongkong mit dem Festland im Jahr 1997 und der steigenden finanziellen Verflechtung mit Taiwan, taucht China am Horizont als eine der führenden Mächte in der neuen Weltwirtschaftsordnung auf. Im Jahr 2002 betrug Chinas Anteil am Wachstum der Weltwirtschaft 16 %, übertroffen nur noch von den USA. Und seit 1970 ist Chinas Bruttoinlandsprodukt von 106 Mrd. US$ auf stattliche 1,3 Billion US$ gestiegen, was sowohl Optimisten als auch Pessimisten mit Stoff zum Nachdenken versorgt. Da der asiatische Markt, allen voran das Festland China, der westlichen Geschäftswelt weiter seine Türen öffnet, wird sich häufig herausstellen, dass die ersten Schritte in China von Hindernissen und Tücken begleitet sind. Diese Schwierigkeiten rühren von der Tatsache, dass viele Unternehmen den Feinheiten und Nuancen dieses neuen und aufstrebenden Marktes nicht mit dem nötigen Respekt begegnen. Chinas Geschäftswelt unterliegt einer Jahrhunderte alten Kultur und Geschichte. Diese Tatsache wird von der westlichen Welt häufig übersehen. Viele Unternehmen sind beim Herantreten an den chinesischen Markt gestrauchelt oder glatt gescheitert, weil sie ihn falsch eingeschätzt haben. Sie betrachten China mit Dollar- (oder Euro-) Scheinen vor den Augen, da sie einen großen und potentiell lukrativen Markt sehen. In Wirklichkeit können Unternehmen nicht einfach diesen Markt betreten und gleich damit beginnen, Geld zu verdienen. Der Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens erfordert die Bereitschaft, Öffentlichkeitsarbeit vor Ort zu leisten und Beziehungen (guanxi) zu Kommunalbeamten und Geschäftsleuten zu knüpfen. Wenn man im Ausland Geschäfte macht, ist es immer von Vorteil, die Kultur und Geschichte eines Landes zu verstehen. Wenn man sich mit China beschäftigt, ist es ein Muss, die Geschichte und Kultur Chinas zu kennen. Ausländische Unternehmer müssen wissen, dass es für die Chinesen beim Streben nach wirtschaftlichem Erfolg nicht nur um Geld geht, sondern eher um ein Wiedererwachen des Nationalstolzes.